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Miklos Gaál
Dem Reisenden von heute steht die ganze Welt offen. Man denkt transatlantisch und fühlt sich überall gern ein bisschen wie zu Hause. Egal ob es in Köln oder Cucamonga, München oder Malawi, Berlin oder Baltimore ist.
Besucher von Seeheim halten deshalb gern an, wenn sie vor den großformatigen Fotografien von Miklos Gaál stehen. Ganze Pausengespräche drehen sich um die Frage, woher das Motiv stammt. Oft stellt sich heraus, dass niemand wirklich genau sagen kann, welchen Ort der Fotograf dabei aufnahm. Trotzdem diskutiert man miteinander gern die Details: Kennen wir nicht diesen Platz? Sah es nicht genauso aus, damals auf jenem südlichen Markt? War es nicht genau diese Ecke? Oder: Ähnelt dieses Straßenkreuz nicht jener Umfahrung, der man selbst schon einmal begegnet ist?
Der finnische Fotograf hält öffentliche Plätze fest, Knotenpunkte des urbanen Lebens wie den Stadtpark, das Autobahnkreuz, eine Straßenschlucht oder den Markt. Er arbeitet oft aus der Vogelperspektive, imitiert den Blick eines Falken. Vielleicht ist es jene luftige Perspektive, die seinen konzeptuellen Fotografien Tiefe und Leuchtkraft verleiht. Ganz so glamourös, wie die beleuchteten Tableaus auf den ersten Blick scheinen, sind die darauf dokumentierten Orte bei genauer Ansicht nicht. Es ist eher das alltägliche Geschehen, mit allem Ramsch und Chaos, das Gaál selbst zuerst mit offen verwunderten Augen besichtigt. Es sind auch die alltäglichen Szenen, denen er bei naher Betrachtung trotzdem ein besonderes Flair verleiht.
Immer wieder setzt sich Miklos Gaál dabei mit dem Widerspruch unseres Sehens auseinander. Damit, dass es zwischen den objektiven Grundlagen für die Orientierung in der Welt und unserer subjektiver Wahrnehmung große Unterschiede gibt.
So ist es nicht die Übersicht, sondern die Einsicht in das Besondere des Ortes, die sich in seinen Aufnahmen ausdrückt. Erst nach und nach entdecken wir die Kunst seiner Kompositionen. Da treffen sich Romantik und Trash, Überschärfe und Unschärfe, Manipulation und Zufall. So arbeitet Miklos Gaál wie ein Maler mit der Kamera, der die Welt erkundet, berührt und durchdringt.
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